Schwer erziehbare Kinder

Schwer erziehbare Kinder bringen Eltern oft an ihre Grenzen – und der Druck wächst, „endlich die richtige Methode“ zu finden. In diesem Artikel stelle ich 6 teils kontroverse Ansätze vor (mit Quellen) und zeige, warum Strategien erst dann wirklich wirken, wenn Eltern in ihre Präsenz zurückfinden. Am Ende teile ich meine klare Haltung: Wenn unbewusste Muster der Eltern bearbeitet werden, verändert sich das Außen – und das entlastet dein Kind spürbar.
Bild mit Sascha Braun und dem Titel Schwer Erziehbare Kinder - Herzverbindung statt Strategie

Schwer erziehbare Kinder: braucht es Strategien für einenharmonischeren Alltag ?

Schwer erziehbare Kinder – dieser Begriff fällt oft in Momenten, in denen Eltern müde sind, sich ohnmächtig fühlen oder sich innerlich fragen: „Was mache ich falsch?“

 

Gleichzeitig ist der Begriff heikel, weil er schnell wie ein Etikett klingt, das auf dem Kind kleben bleibt.

 

Meist geht es aber nicht um „das Kind“, sondern um herausforderndes Verhalten:

Wutausbrüche, Aggression, extremes Klammern, ständiges Dagegen-Sein, Verweigerung, Dauerstreit, Geschwisterkonflikte, Schulstress – und Eltern, die dabei selbst immer wieder „aus sich rausfallen“.

 

 

Ich schreibe diesen Artikel bewusst nicht als medizinische Fachperson, sondern als Eltern-Mentorin. Ich stelle dir verschiedene, teils kontroverse Sichtweisen vor – jeweils mit Quelle (wer sagt das) – und ordne danach jede Perspektive mit einem Satz aus meiner Haltung ein.

 

Am Ende findest du meine klare Position: Wenn Eltern ihre unbewussten Muster bearbeiten, verändert sich das Außen – und das braucht immer Unterstützung durch eine Begleitperson.

 

 

Schwer erziehbare Kinder – was ist damit eigentlich gemeint?

Wenn Eltern „schwer erziehbare Kinder“ sagen, meinen sie selten „Mein Kind ist schlecht“.

 

Meist meinen sie:

  • „Ich komme nicht mehr in Kontakt.“
  • „Ich verliere meine Ruhe.“
  • „Ich weiß nicht, wie ich führen soll, ohne hart zu werden.“
  • „Ich habe schon alles versucht.“

 

Ein hilfreicher Start ist daher: Wir sprechen über Verhalten, nicht über den Wert des Kindes. Und wir schauen nicht nur auf „Erziehung“, sondern auf Beziehung, Nervensystem, Alltag, Stress, Erwartungen – und auf das, was in den Eltern unbewusst mitläuft.

 

 

Damit du dir beim Lesen Orientierung gibst, gebe ich dir einen wichtigen Satz:
Techniken wirken nur so gut, wie der Zustand, aus dem heraus du sie anwendest.

 

 

Schwer erziehbare Kinder: 6 kontroverse Sichtweisen – und was du praktisch daraus ziehen kannst

1) „Strenge Führung bringt Ordnung“ – Tiger-Parenting / harte Disziplin (Amy Chua u. a.)

 Bekannt wurde diese Richtung u. a. durch Amy Chua („Battle Hymn of the Tiger Mother“):

hohe Erwartungen, strikte Regeln, wenig Diskussion – Disziplin als Weg zu Leistung, Durchhaltevermögen, „funktionierendem Alltag“.

 

Worin Eltern hier oft Erleichterung finden:

  • Klarheit (wer führt, was gilt)
  • schnelle Reduktion von Chaos
  • „endlich passiert was“

 

Risiko:

  • Das Kind gehorcht vielleicht – aber innerlich geht es in Gegendruck, Angst, Scham oder Rückzug.
  • Beziehung wird zur Bühne für Macht statt für Verbindung.

 

Mini-Strategie (wenn du aus dieser Ecke etwas nutzen willst):
Wenige, klare Regeln – aber ohne Demütigung. Keine Etiketten („du bist…“), sondern Verhalten benennen („das ist nicht okay“).

 

 

Mein Satz dazu: Ich teile das nur sehr begrenzt, weil reine Strenge oft aus dem unbewussten Bedürfnis der Eltern nach Kontrolle entsteht – und ohne innere Arbeit am Unterbewusstsein verschiebt sich das Problem meist nur (nach innen beim Kind oder später nach außen).

 

 

2) „Wärme UND Grenzen“ – der autoritative Stil (Diana Baumrind))

Die Entwicklungspsychologin Diana Baumrind prägte die Idee, dass Erziehung entlang von Wärme/Responsivität und Struktur/Anforderung beschrieben werden kann.

 

In vielen Darstellungen gilt „autoritative Erziehung“ (warm, zugewandt, klar, konsequent) als besonders förderlich.

 

Kernannahme: Kinder brauchen Sicherheit (Beziehung) und Orientierung (Führung).

 

Praktisch heißt das:

  • wenige, klare Regeln
  • Grenzen ohne Drohung
  • Emotionen begleiten, Verhalten begrenzen
  • Reparatur nach Konflikten („Ich war gerade zu laut – ich bin wieder da.“)

 

Wo es oft scheitert1.

Nicht am Konzept – sondern daran, dass Eltern es aus dem Stresszustand heraus keine Präsenz halten können.

 

 

Mein Satz dazu: Ich teile diesen Ansatz grundsätzlich, weil er Beziehung und Führung verbindet – aber er funktioniert nur, wenn Eltern ihre unbewussten Trigger kennen, sonst kippen sie in Autorität oder Nachgeben – beides ist nicht auf Augenhöhe mit dem Kind.

 

 

3) „Verhalten lässt sich trainieren“ – Parent Training / Verhaltensansatz (z. B. bei ADHS)

Im klinischen Kontext wird bei jungen Kindern (z. B. mit ADHS) häufig Elterntraining im Verhaltensmanagement empfohlen; die CDC betont Verhaltenstherapie bzw. Elterntraining als wichtigen ersten Schritt für Kinder unter 6 Jahren.

 

Kernannahme:

Verhalten wird durch Konsequenzen, Routinen und Verstärkung beeinflusst – und Eltern können lernen, das System zu verändern.

 

Typische Tools:

  • positive Verstärkung (gezielt gutes Verhalten bemerken)
  • klare, kurze Anweisungen („Bitte Schuhe anziehen.“)
  • vorhersehbare Routine (Morgen/Abend)
  • Konsequenzen, die vorher klar sind (nicht spontan im Affekt)

 

Stärke:

sehr alltagstauglich, gibt Eltern Struktur.
Schwäche: kann sich „mechanisch“ anfühlen und Beziehung überdecken, wenn es nur noch um Tools geht.

 

Mein Satz dazu: Ich teile die Struktur-Elemente (Routinen, Klarheit) – aber wenn Eltern ihre unbewussten Muster nicht bearbeiten, wird aus dem Training schnell ein Kampf um Kontrolle statt eine Entlastung für das Kind. Das Kind sollte eingeladen werden.

 

 

4) „Kinder tun’s gut, wenn sie’s können“ – Ross W. Greene (Collaborative & Proactive Solutions)

Ross W. Greene formuliert einen Satz, der viele Familien erleichtert:

 

„Kids do well if they can.“

Herausforderndes Verhalten entsteht demnach oft, wenn dem Kind Fähigkeiten fehlen (Flexibilität, Frustrationstoleranz, Emotionsregulation) und ungelöste Probleme auf Stress treffen.

 

Strategie (vereinfacht):

  • konkrete „Problem-Situationen“ sammeln („Morgens beim Anziehen“, „Hausaufgaben“)
  • fehlende Fertigkeiten benennen
  • Lösungen proaktiv und gemeinsam entwickeln – wenn alle ruhig sind

 

Stärke:

nimmt Druck aus „er will mich ärgern“.


Stolperstein:

Eltern brauchen Geduld, innere Zugewandtheit und innere Stabilität, sonst wird „gemeinsam lösen“ zum endlosen Verhandeln.

 

Mein Satz dazu: Ich teile diese Perspektive sehr, weil sie weg von Schuld und hin zu Entwicklung führt – und gleichzeitig sehe ich: Ohne Unterbewusstseinsarbeit der Eltern fehlt oft die innere Ruhe, die Plan-B überhaupt möglich macht.

 

 

5) „Erst verbinden, dann umleiten“ – Siegel & Bryson („Connect and Redirect“)

Daniel J. Siegel und Tina Payne Bryson popularisierten den Gedanken „Connect and Redirect“: Erst Verbindung/Co-Regulation, dann Korrektur/Umleitung – weil ein Kind in hoher Erregung nicht lernfähig ist.

 

Praktisch im Moment der Eskalation:

  • langsamer werden, leiser sprechen
  • Blickkontakt (wenn möglich), „Ich bin da“
  • Körpernähe nur, wenn das Kind das will
  • danach: klare Grenze + Alternative („Ich lasse dich wütend sein. Ich lasse nicht zu, dass du schlägst. Du kannst in das Kissen hauen.“)

 

Stärke:

reduziert Drama, stärkt Bindung.


Kritik:

Manche nennen es „zu weich“ – in Wahrheit ist es oft einfach anspruchsvoll, weil Eltern selbst reguliert sein müssen.

 

Mein Satz dazu: Ich teile das voll – und genau hier zeigt sich mein Kernpunkt: Wenn Eltern unbewusst im Alarm sind, können sie nicht verbinden; deshalb braucht es die Arbeit am Unterbewusstsein, das Loslassen von alten Bewertungen, damit Connect überhaupt echt wird.

 

 

6) „Das Verhalten zeigt Stress im System“ – Trauma-/Stress-Linse (Gabor Maté u. a.)

Gabor Maté betont die Bedeutung von Beziehung und Umweltbedingungen für Entwicklung:

 

Wenn Eltern/Umfeld chronisch gestresst sind, spüren Kinder das – und reagieren darauf.

 

Praktisch heißt das nicht „Eltern sind schuld“, sondern:

  • Stress reduzieren (Schlaf, Pausen, weniger Dauerreiz)
  • Beziehung als Sicherheitsbasis stärken
  • den Familienalltag „nervensystem-freundlich“ gestalten

 

Stärke:

entlastet das Kind vom Etikett und schaut auf das Ganze.
Schwäche: kann zu vage bleiben, wenn Eltern dann keine konkreten Schritte gehen.

 

Mein Satz dazu: Ich teile diese Sicht stark, weil sie den Fokus vom Kind als Problem weg nimmt – und sie wird erst wirklich wirksam, wenn Eltern ihre unbewussten Muster (Druck, Angst, Ohnmacht) mit Unterstützung lösen.

 

 

Meine Position: Warum bei schwer erziehbaren Kindern am Ende die Eltern der Schlüssel sind

Wenn du all diese Ansätze nebeneinander legst, wirkt es fast so, als gäbe es „die eine Wahrheit“.

 

Ich sehe etwas anderes:

Jeder Ansatz beschreibt einen Ausschnitt – aber der Hebel, der alles verbindet, ist der innere Zustand der Eltern.

 

Ich bin überzeugt:

  • Das, was im Alltag eskaliert, wird sehr oft durch unbewusste Muster in den Eltern mitgesteuert.
  • Nicht, weil Eltern „schuld“ sind – sondern weil das Unterbewusstsein automatisch reagiert (Trigger, alte Kindheitsgefühle, innere Drehbücher).
  • Wenn diese Muster integriert werden, verändert sich die Ausstrahlung, die Führung, die Grenzen, der Kontakt – und dadurch verändert sich das Außen häufig dramatisch.

 

Und deshalb ist meine Haltung so klar:

 

Wenn du wirklich Entlastung für dein Kind willst, hol dir Unterstützung.


Nicht bei „der einen perfekten Methode“, sondern bei einer Person, der du vertraust – Coach, Therapeutin, Mentorin, Körper-/Trauma-Begleitung, Elternberatung, was immer für dich stimmig ist. Und arbeite an deinen Mustern. Es ist sooo hilfreich.

 

Weil wir das Unterbewusstsein nicht mit dem Verstand wegdenken können, es wirkt 10.000 mal stärker als deine kognitive Fähigkeiten. 

 

Es will gesehen, gefühlt, gehalten und neu verknüpft werden – und genau dafür ist Begleitung da.

 

 

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Ich danke dir für dein Vertrauen und freue mich, wenn du wieder vorbeischaust.

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Sascha Braun

Hi, ich bin Sascha und unterstütze Mamas und Papas, eine gute Elternschaft und eine stressfreie Beziehung zu Ihrem Kind zu führen, in voller Verbundenheit und Freude.

Meine Arbeit ist ganzheitlich.
Meine Tools und Kurse schenken dir im Ergebnis eine neue innere Haltung der Zugewandtheit und fürsorglichen Liebe.
Und natürlich bekommst du bei mir auch geballtes und fundiertes Wissen zu Verhalten und Sprache mit deinem Kind.

Du wirst dein Kind in Klarheit führen und ihm Orientierung geben können.

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