Wenn dein Kind nicht schlafen will,
wird der Abend für viele Familien zu einer emotionalen und körperlichen Herausforderung.
Der Tag war lang, die eigenen Ressourcen sind erschöpft, und genau dann fehlt das, was Eltern selbst dringend brauchen: Ruhe.
Vielleicht kennst du Gedanken wie:
Warum klappt das bei uns nicht?
Warum schläft mein Kind abends nicht ein, obwohl es müde ist?
Mache ich etwas falsch?
Dieser Artikel möchte dich entlasten.
Er erklärt, warum Kinder nicht schlafen, welche Ursachen dahinterstecken können und wie du dein Kind – und dich selbst – beim Ein- und Durchschlafen unterstützen kannst, ohne Druck, ohne Schuld, ohne Perfektionismus.
1. Kind will nicht schlafen: Warum das Eltern so belastet
Wenn ein Kind nicht schlafen will, trifft das Eltern oft am Ende eines langen Tages.
Die eigenen Kräfte sind aufgebraucht, der Wunsch nach Ruhe ist groß – und genau dann zieht sich das Einschlafen in die Länge. Das kann sehr belastend sein.
Viele Eltern erleben in dieser Situation:
- Erschöpfung, weil der Tag noch kein Ende findet
- Hilflosigkeit („Ich habe alles versucht“)
- innere Unruhe und Druck, weil endlich Ruhe einkehren soll
- Schuldgefühle oder Selbstzweifel
- Vergleiche mit anderen Kindern, die scheinbar leichter einschlafen
Gerade abends entsteht oft unbewusst die Erwartung, dass es jetzt klappen muss.
Dieser Druck überträgt sich – ohne Absicht – auch auf das Kind und erschwert Entspannung.
Wichtig ist: Ein Kind, das nicht schlafen will, ist kein Problemkind.
Und Eltern, die abends erschöpft sind, versagen nicht.
Es ist eine Situation, in der die Bedürfnisse von Kind und Eltern gleichzeitig groß sind – und das macht sie so herausfordernd.
2. Wenn das Kind abends nicht einschläft: Häufige Ursachen
Wenn ein Kind abends nicht einschläft, suchen Eltern oft nach dem einen Grund.
In der Praxis gibt es jedoch meist mehrere Faktoren, die zusammenwirken. Schlaf ist kein Schalter, sondern ein Prozess.
Häufige Ursachen können sein:
- Überstimulation: ein voller, lauter oder sehr aktiver Tag
- Unterstimulation: zu wenig Bewegung oder Ausgleich
- Entwicklungsphasen: Wachstumsschübe, neue Fähigkeiten, emotionale Reifung
- Veränderungen im Alltag: Kita-Start, Schule, neue Routinen
- Unruhe im Nervensystem: der Tag war zu intensiv, das System kommt abends nicht zur Ruhe
- Unreifer Schlafrhythmus, vor allem bei jüngeren Kindern
Wichtig ist zu wissen: Wenn ein Kind nicht schlafen will, bedeutet das selten, dass etwas „falsch läuft“.
Häufig handelt es sich um vorübergehende Phasen, in denen Kinder mehr Zeit, Nähe und Unterstützung brauchen, um in den Schlaf zu finden.
3. Sorgen sind kein guter Ratgeber: Wie elterliche Anspannung den Schlaf beeinflusst
Wenn ein Kind nicht schlafen will, machen sich viele Eltern Sorgen.
Diese Sorgen entstehen aus Verantwortung und Liebe – können den Schlaf aber unbeabsichtigt erschweren.
Denn Kinder nehmen sehr fein wahr, wie es ihren Bezugspersonen geht.
Elterliche Anspannung zeigt sich zum Beispiel durch:
- inneren Druck („Es muss jetzt klappen“), also dass es ein Ziel zu erreichen gilt
- Grübeln und ständiges Nachdenken
- Ungeduld oder ein getriebenes Gefühl
- Anspannung im Körper oder in der Stimme
All das signalisiert dem kindlichen Nervensystem nicht Ruhe, sondern Aktivität. Einschlafen braucht jedoch das Gefühl von Sicherheit und Entspannung.
Je größer die Sorge, desto schwerer fällt es Kindern, loszulassen. Je mehr du es erreichen willst, desto länger dauert es.
Das bedeutet nicht, dass Sorgen „falsch“ sind. Sie dürfen da sein.
Entscheidend ist, ihnen nicht die Führung zu überlassen.
Hilfreicher als Grübeln ist es, den Druck bewusst zu reduzieren und den Abend als gemeinsamen Übergang in Ruhe zu gestalten – ohne Ziel, ohne Kampf, ohne Erwartung.
4. Kind will nicht schlafen: Was Eltern jetzt konkret tun können
Wenn ein Kind nicht schlafen will, entsteht schnell der Impuls, noch etwas zu tun oder zu verändern.
Oft hilft jedoch zuerst ein Schritt zurück. Denn Einschlafen lässt sich nicht erzwingen – es entsteht aus Sicherheit.
Hilfreich kann sein:
- Tempo herausnehmen und den Abend bewusst verlangsamen
- eigene Anspannung wahrnehmen und, wenn möglich, etwas lösen
- Erwartungen loslassen, dass es „jetzt klappen muss“
- ruhige Präsenz zeigen, statt zu erklären oder zu überzeugen
- Nähe anbieten, ohne Druck
Manchmal ist das Wichtigste nicht eine neue Methode, sondern eine innere Haltung: Wir haben Zeit.
Je weniger Kampf und Zielorientierung im Raum sind, desto leichter fällt es Kindern, loszulassen.
Sicherheit entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch ein Gegenüber, das ruhig und verlässlich da ist.
5. Wie viel Schlaf braucht mein Kind wirklich?
Viele Eltern verunsichern Tabellen und Empfehlungen zum Schlafbedarf.
Wichtig zu wissen ist: Schlaf ist individuell. Richtwerte können Orientierung geben, sind aber keine festen Vorgaben.
Grobe Orientierungen sind:
- Kleinkinder: etwa 11–14 Stunden
- Kindergartenkinder: etwa 10–13 Stunden
- Schulkinder: etwa 9–11 Stunden
Entscheidend ist weniger die genaue Stundenzahl als die Frage:
- Wirkt dein Kind tagsüber ausgeglichen?
- Kann es spielen, lernen und fühlen?
Ein Kind, das etwas weniger schläft, aber tagsüber stabil ist, hat oft keinen Schlafmangel.
Vergleiche mit anderen Kindern führen schnell zu unnötigem Druck.
Hilfreicher ist es, das eigene Kind zu beobachten und seinem individuellen Rhythmus zu vertrauen.
6. Einschlafen begleiten: Rituale, die Sicherheit geben
Kinder brauchen am Abend Orientierung.
Feste Rituale helfen ihnen, den Übergang vom Tag in die Nacht zu verstehen und innerlich zur Ruhe zu kommen.
Dabei geht es nicht um perfekte Abläufe, sondern um Verlässlichkeit.
Hilfreiche Einschlafrituale können sein:
- ein immer ähnlicher Ablauf am Abend
- ruhige Tätigkeiten wie Vorlesen oder Erzählen
- ein Schlaflied oder leise Musik
- Kuscheln und Nähe
- ein paar ruhige Worte zum Abschied vom Tag
- ältere Kinder können vor dem Einschlafen ihre Sorgen und Ängste einem Notizbuch übergeben.
Rituale wirken nicht, weil sie besonders kreativ sind, sondern weil sie sich wiederholen.
Diese Wiederholung signalisiert dem Nervensystem: Jetzt darfst du loslassen.
Wichtig ist, dass die Rituale zu euch passen und nicht unter Zeitdruck stehen.
Weniger ist oft mehr.
7. Durchschlafen ist Entwicklung – kein Trainingsziel
Viele Eltern sorgen sich, wenn ihr Kind nachts aufwacht.
Dabei gehört nächtliches Erwachen zur normalen Entwicklung. Schlaf verläuft in Zyklen, und Kinder wachen – genau wie Erwachsene – mehrfach pro Nacht kurz auf.
Nächtliches Aufwachen bedeutet nicht:
- dass dein Kind schlecht schläft
- dass es sich falsche Gewohnheiten angewöhnt
- dass etwas „abtrainiert“ werden muss
Kinder wachen nachts häufig auf, um:
- Nähe zu suchen
- sich zu orientieren
- Sicherheit zu spüren
Das sogenannte „Durchschlafen“ entwickelt sich mit der Reife des Nervensystems.
Nähe und Begleitung in der Nacht sind kein Rückschritt, sondern helfen Kindern, Vertrauen aufzubauen.
Langfristig unterstützt genau das einen stabilen Schlaf.
8. Nachtschreck, Albträume und Schlafwandeln verstehen
Manche nächtlichen Phänomene wirken für Eltern sehr beunruhigend, sind aber in der kindlichen Entwicklung meist harmlos und vorübergehend.
Wichtig ist, sie einordnen zu können.
Nachtschreck:
- tritt meist im Tiefschlaf auf
- das Kind wirkt wach, ist es aber nicht
- lässt sich oft nicht beruhigen und erinnert sich später nicht daran
Albträume:
- entstehen häufig durch Verarbeitung von Erlebnissen
- treten eher in der zweiten Nachthälfte auf
- brauchen Trost und Nähe
Schlafwandeln:
- kommt vor allem im Kindesalter vor
- ist meist ungefährlich, wenn die Umgebung sicher ist
Wichtig für Eltern: ruhig bleiben, nicht hektisch eingreifen und vor allem Sicherheit vermitteln.
In den meisten Fällen wachsen Kinder aus diesen Phasen von selbst heraus.
Wenn das Problem länger besteht, kann medizinische Hilfe sinnvoll sein.
9. Die ideale Schlafumgebung für dein Kind schaffen
Eine gute Schlafumgebung kann das Einschlafen unterstützen – sie muss aber nicht perfekt sein.
Entscheidend ist, dass sich dein Kind sicher und geborgen fühlt. Zu viel Optimierung erzeugt oft mehr Druck als Entlastung.
Hilfreich für eine schlaffördernde Umgebung sind:
- gedämpftes Licht am Abend
- angenehme Raumtemperatur (nicht zu warm)
- möglichst wenig Reize wie laute Geräusche oder grelles Licht
- vertraute Elemente wie Kuscheltier, Decke oder Nachtlicht
- eine ruhige Atmosphäre, die zum Abschalten einlädt
Wichtig ist: Kinder schlafen nicht besser, weil alles „ideal“ ist, sondern weil es vertraut ist.
Kleine, konstante Rahmenbedingungen wirken oft stärker als ständig neue Veränderungen.
10. Tagesrhythmus & Abendgestaltung: Wie der Tag den Schlaf beeinflusst
Der Schlaf beginnt nicht erst abends, sondern wird stark vom Tagesverlauf beeinflusst.
Ein ausgeglichener Tag erleichtert es Kindern, am Abend zur Ruhe zu kommen.
Hilfreich für einen schlaffördernden Tagesrhythmus sind:
- Tageslicht, besonders am Vormittag
- ausreichend Bewegung und freies Spiel
- klare Übergänge zwischen Aktivität und Ruhe
- ein ruhiger Abendbeginn, ohne Hektik
- weniger Bildschirmzeit am Abend
Gerade Bildschirme können das Nervensystem aktiv halten und das Einschlafen erschweren.
Wichtig ist jedoch nicht Perfektion, sondern Bewusstheit.
Kleine Anpassungen im Tagesablauf wirken oft nachhaltiger als neue Einschlafstrategien am Abend.
11. Wenn nichts hilft: Wann Unterstützung sinnvoll sein kann
Manchmal reichen gute Informationen und kleine Veränderungen nicht aus.
Wenn ein Kind nicht schlafen will und die Erschöpfung der Eltern zunimmt, kann Unterstützung entlastend sein – nicht als letzter Ausweg, sondern als fürsorglicher Schritt.
Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn:
- Schlafprobleme über längere Zeit bestehen
- die eigene Erschöpfung immer größer wird
- Sorgen den Familienalltag bestimmen
- sich alles festgefahren anfühlt
Unterstützung bedeutet nicht, etwas „falsch gemacht“ zu haben.
Sie kann helfen, neue Perspektiven zu gewinnen, innere Anspannung zu lösen und wieder mehr Sicherheit in den Abend zu bringen.
Austausch mit anderen Eltern oder begleitende Gespräche schaffen oft genau den Raum, den es braucht, um aus der Dauerschleife herauszukommen.
12. Fazit: Wenn ein Kind nicht schlafen will, braucht es vor allem Sicherheit
Wenn ein Kind nicht schlafen will, liegt das selten an fehlenden Methoden oder falschem Verhalten.
Viel häufiger geht es um Sicherheit, Verbindung und Regulation. Schlaf lässt sich nicht erzwingen – er entsteht dort, wo Druck nachlässt.
Kinder schlafen leichter ein, wenn sie spüren:
- dass sie nicht funktionieren müssen
- dass Nähe verfügbar ist
- dass der Abend kein Kampf ist
Für Eltern bedeutet das: weniger Sorgen, weniger Vergleiche und mehr Vertrauen in Entwicklung.
Nicht jeder Abend wird ruhig sein, und das ist in Ordnung.
Schlaf verändert sich mit dem Wachstum, mit Phasen und mit dem Alltag.
Je mehr Ruhe und Sicherheit ein Kind erlebt – innerlich und äußerlich –, desto leichter fällt es ihm, loszulassen. Und genau dort beginnt er: ein Schlaf, der wachsen darf.
Manche Phasen lassen sich leichter tragen, wenn man sie nicht allein durchsteht.
Es ist in Ordnung, sich Unterstützung zu holen – im eigenen Umfeld oder darüber hinaus.
Entlastung beginnt oft dort, wo man sich erlaubt, Hilfe anzunehmen, ohne sich dafür erklären oder rechtfertigen zu müssen.
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